Mittelmeererkrankungen

In südlichen Ländern, d.h. im gesamten Mittelmeerraum wie in Spanien, Italien, Portugal und auch in Griechenland, existieren Krankheiten, die bisher in Nord- und Mitteleuropa nicht vorgekommen sind, weil der Überträger, die Sandmücke oder die entsprechende Zecke, hier nicht heimisch sind (wir in Deutschland kennen hingegen die Borreliose, eine durch Zecken übertragene Infektionserkrankung). Im Folgenden werden die häufigsten Krankheiten des
südlichen Mittelmeerraums vorgestellt.

Unsere erwachsenen Hunde werden auf all diese Erkrankungen, d.h. Leishmaniose, Ehrlichiose, Anaplasmose und Dirofilariose getestet. Trotz eines negativen Testergebnisses kann ein Hund bei einem späteren Test auf eine dieser Erkrankungen positiv getestet werden, denn nicht immer  kann eine Infizierung sofort nachgewiesen werden. Dies ist aber kein Grund zur Panik!  Zum einen erkrankt nicht jeder positiv getestete Hund, denn oftmals sind nur Antikörper nachgewiesen, der Hund hat sich aber mit der Krankheit selbst auseinandergesetzt und sie besiegt. Zum  anderen gibt es heute im Falle einer manifesten Symptomentwicklung gute Behandlungsmöglichkeiten, die einem kranken Hund ein nahezu normales Leben ermöglichen.

Mittelmeerkrankungen beim Hund sollten weder verharmlost noch katastrophisiert werden.
In jedem Fall ist die Testung des erwachsenen Hundes auf diese Erkrankungen unentbehrlich und zeichnet seriösen Auslandstierschutz aus.

Alle erwachsenen Hunde werden bereits in Griechenland auf Mittelmeererkrankungen getestet. Da hier jedoch regelmäßig sog. Kurz- oder Schnellbluttests verwendet werden, sind deren Ergebnisse leider nicht sehr zuverlässig. Zudem kann z.B. die Mittelmeerer-
krankung Babesiose in Griechenland noch gar nicht getestet werden.

Die Pfotenhilfe ohne Grenzen hat sich daher entschlossen, kein Risiko einzugehen und alle
erwachsenen Hunde bzw. alle Hunde, die älter als acht Monate sind (denn nur ab diesem
Lebensalter erbringt eine Blutuntersuchung mit Blick auf das Vorliegen von Mittelmeererkrankungen verwertbare Ergebnisse) nach ihrer Ankunft hier in Deutschland auf eigene Kosten erneut testen zu lassen. Hierzu arbeiten wir mit einem renommierten medizin. Labor zusammen, das Untersuchungsmethoden anwendet, die höchsten wissenschaftlichen Standards entsprechen und zu verlässlichen Ergebnissen führen.

Wenn Sie Fragen zu den einzelnen Erkrankungen haben, zögern Sie bitte nicht uns
anzusprechen.

Babesiose

Die Babesiose wird durch die Braune Hundezecke, aber auch durch die Auwaldzecke
(Dermacentor reticulatus) übertragen, die auch in Deutschland anzutreffen sind.
Die Babesien befallen die roten Blutkörperchen und zerstören diese.
Die Inkubationszeit beträgt 7-21 Tage.

Die Symptome sind sehr starkes Fieber und evtl. dunkler Urin. Nach Absinken des Fiebers folgen Mattigkeit, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Gelbsucht, bis hin zu Nierenversagen. Auch epileptische Anfälle können auftreten.

Mittel der Wahl zur Therapie der Babesiose sind Carbesia und Imizol.
Beide Präparate sind in Deutschland nicht als Tierarzneimittel verfügbar und müssen über eine Auslandsapotheke bezogen werden.

Ehrlichiose

Die Ehrlichiose wird nach derzeitigem Wissensstand in Europa nur von der Braunen Hundezecke übertragen. In Deutschland  ist diese Braune Hundezecke noch nicht angesiedelt.
Ehrlichien sind Bakterien, die die weißen Blutkörperchen befallen. Die Inkubationszeit beträgt 7-21 Tage.

Die Symptome sind meist hohes Fieber, Mattigkeit, Futterverweigerung, Lahmheiten, Lymphknotenschwellungen, eitriger Ausfluss aus Nase und Augen, später auch Nasenbluten. Bleibt ein Hund unbehandelt, können durch die Verringerung der weißen Blutkörperchen und Blutplättchen Blutungen in den  Schleimhäuten, den inneren Organen und der Bauchhöhle auftreten. In sehr schweren Fällen kann Ehrlichiose unbehandelt zum Tod des Hundes führen.

Die Ehrlichiose ist mit Antibiotika gut behandelbar.
Die Behandlungsdauer beträgt 4-6 Wochen.

Eine Übertragung vom Hund auf den Menschen ist unwahrscheinlich.

Anaplasmose

Die Anaplasmose wird über den Stich des Holzbockes übertragen, der auch in Deutschland das ganze Jahr über anzutreffen ist und deshalb auch hier übertragen werden kann. Auch bei den Anaplasmen handelt es sich um Bakterien, die die weißen Blutkörperchen befallen.
Die Inkubationszeit beträgt 7 Tage.

Die Symptome sind denen der Ehrlichiose sehr ähnlich. Zusätzlich kann es zu Durchfall, Erbrechen, Gewichtsverlust und Gelenkentzündungen kommen.

Die Anaplasmose wird mit Antibiotika über einen Zeitraum von 4 Wochen behandelt.
Eine Übertragung vom Hund auf den Menschen ist unwahrscheinlich.

Leishmaniose

Leishmaniose ist eine weltweit vorkommende Krankheit, die Menschen und Tiere befallen kann und sie wird durch den Stich der Sandmücke übertragen. Die Sandmücke kommt in allen mediterranen Ländern vor, z.B. in Spanien, Griechenland, Türkei, Portugal, Frankreich, aber auch in einigen Teilen Deutschlands und der Schweiz. Sie ist von Frühling bis Spätsommer aktiv.

Im Mittelmeerraum sind viele Menschen infiziert, auch Touristen, ohne je ein Symptom zu zeigen oder es überhaupt zu bemerken. Hunde in südlichen Ländern haben oft einen natürlichen Immunschutz erworben. Zwar stellt man bei einem Test einen Antikörper-Titer fest, jedoch keine Leishmaniose. Das Fehlen von Symptomen ist kein Hinweis darauf, dass der Hund nicht infiziert ist. Nur Tests bringen einen Nachweis.

Folgende Symptome können bei einer Infizierung auftreten: schleichender Gewichtsverlust, Lahmheit, Trägheit, Appetitlosigkeit, Haarverlust (vor allem um die Augen, „Brillenbildung“), Schuppenbildung, Hautwunden (oft nässend, meist kreisrund - an Ohren, Kopf, Nase und an den Beinen), Nasenbluten, Lymphknotenschwellung, Blutarmut, Nierenschädigung.

Bei einem Bluttest wird untersucht, ob und wieviele Antikörper gebildet wurden. Bei einem Knochenmark- und Lymphknotentest wird - unter lokaler Betäubung - ein Punktat entnommen und mikroskopisch auf Leishmanien untersucht.

Im Umgang mit infizierten Tieren besteht für Menschen keine Gefahr sich zu infizieren, vorausgesetzt natürlich, es werden die üblichen Hygieneregeln (Händewaschen, Vorsicht im Umgang mit offenen Wunden etc.) eingehalten. Wissenschaftlich gesehen gibt es bisher keinen einzigen nachgewiesenen Fall, bei dem sich der Mensch durch seinen Hund infiziert hat. Es besteht kein Grund, Tieren aus südlichen Ländern eine Chance auf ein neues Leben in Deutschland zu verweigern.

Übertragung von Leishmanien
    von Mensch zu Mensch
    von Tier zu Tier
    von Tier zu Mensch
    von Mensch zu Tier
nur jeweils über den Zwischenwirt die Sandmücke!


Weiterhin ist die Übertragung über die Plazenta im Mutterleib bekannt. Die Übertragung erfolgt jedoch nicht zwangsläufig. Es kann innerhalb des Wurfes einer infizierten Hündin sowohl infizierte wie nicht infizierte Welpen geben. Einige Welpen weisen einen Antikörpertiter auf, ohne selbst infiziert zu sein. Der Titer geht in solchen Fällen innerhalb des ersten Lebensjahres zurück.

Direkte Übertragungen Tier zu Tier oder Tier zu Mensch wurden bisher nicht nachgewiesen. Allerdings gibt es einige ungeklärte Fälle, u.a. in Amerika, wo bislang nicht klar ist, WIE sich Hunde infiziert haben, ohne in einem Endemiegebiet gewesen zu sein.

Leishmaniose-Hunde haben oft offene Ekzeme, in deren Wundsekret (nicht im Blut!) Leishmanien nachweisbar sind. Diese sind theoretisch infektiös, wenn sie direkt von dem Ekzem in das Blut (oder eine Wunde) von Tieren oder Menschen gelangen. Ein Nachweis wurde bisher aber noch nicht beschrieben. Dennoch sollte man infizierte Tiere mit Verletzungen grundsätzlich von Kindern fernhalten, und natürlich auch selbst größte Hygiene walten lassen.

An der Luft sind Leishmanien nicht lebensfähig. Sollte Wundsekret also beim Vorbeilaufen an Gegenständen hängenbleiben oder auf den Boden tropfen, ist die Infektionsgefahr vorbei, sobald es antrocknet, spätestens nach wenigen Minuten.

Durch Hundebisse kann Leishmaniose nicht übertragen werden, da im Speichel keine Leishmanien vorhanden sind. Auch über die Luft, Tröpfcheninfektion oder Körperausscheidungen wie Kot und Urin ist keine Übertragung möglich. Eine Übertragung beim Deckakt wäre theoretisch möglich, z.B. infolge der Ausscheidungen der Hündin. Untersuchungen liegen hierzu noch nicht vor. Selbst bei Kontakt mit frischem Blut (bei frischen Verletzungen des infizierten Hundes) besteht kaum ein Infektionsrisiko, da im frischen Blut  kaum Leishmanien enthalten sind. Lediglich bei HIV-infizierten Menschen, die gleichzeitig Leishmaniose haben, ist bisher der Nachweis von Leishmanien im Blut gelungen.

Weitere und umfangreiche Informationen zur Leishmaniose sind auf den Websiten www.parasitus.com und www.leishmaniose.de zu finden.

Filariosis (Herzwürmer)

Filariosis ist eine unter Umständen schlimme Hundekrankheit. Sie wird durch einen Fadenwurm verursacht, der im Herz und in den der Lunge angrenzenden großen Blutgefäßen lebt. Die Fadenwürmer können eine Länge von 15 - 35 cm erreichen.

Die Übertragung geschieht durch ausschließlich durch bestimmte Stechmücken. Der weibliche Fadenwurm setzt Embryonen im Blut ab. Die Stechmücke wird angesteckt, wenn sie sich vom Blut eines verseuchten Hundes nährt. Während der folgenden 10 - 15 Tagen verwandelt sich die Mikrofilarie zweimal in der Stechmücke, bis sie die infektiöse Larvenphase erreicht. Wenn die Stechmücke nun erneut Blut saugt, dringt die Larve durch den Mückenstich in den Körper des Hundes ein. Die Larve braucht ungefähr 6 Monate, um in die Lungenarterien zu wandern, ihre Geschlechtsreife zu erlangen und Mikrofilarien im Blut abzulagern. Die Filarienkrankheit verursacht Schäden in den Lungenarterien. Schließlich kann sie auch Herz, Leber und sogar die Nieren angreifen. Im fortgeschrittenen Stadium reduzieren sich die Chancen einer vollständigen Genesung, auch wenn durch die Behandlung alle erwachsenen Fadenwürmer aus dem Herz eliminiert werden.

Bei einer Infektion treten folgende Symptome auf:
Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, chronischer Husten, schnelle Ermüdung, Herzinsuffizienz. Die Herzinsuffizienz ist am Schwellbauch zu erkennen, was auf einen Flüssigkeitsstau im Unterleib zurückzuführen ist, Anämie, Gelbsucht, dunkelbrauner Harn.

Durch folgende Maßnahmen kann die Infektion nachgewiesen werden: Blutuntersuchung, Immunproben, Röntgenaufnahmen des Thorax und EKG. Die Behandlung beinhaltet die Entfernung der erwachsenen Fadenwürmer, intravenöse Spritzen, Verabreichung von Medikamenten zur Ausscheidung der Mikrofilarie, Hunde, die Symptome von fortgeschrittener Filariosis aufweisen, und besonders solche Tiere, die an Herzinsuffizienz leiden, gehen das Risiko ein, dass nach der Behandlung gegen die erwachsenen Fadenwürmer Komplikationen auftreten könnten. Die am Hohlvenen-Syndrom leidenden Tiere müssen sofort einem chirurgischen Eingriff unterzogen werden, dem anschließend dann die übliche Chemotherapie folgt. Der Tierarzt kann das Risiko bewerten und die zweckmäßigste Behandlung bestimmen.

Das modernste Schutzverfahren gegen Filariosis besteht aus der monatlichen Verabreichung von IVERMECTINA oder MELBEMYCIN-Produkten, die speziell für Hunde gedacht sind.

Es ist ratsam, die unter Schutzmedikation stehenden Tiere vorsichtshalber erneut auf evtl. im Blut vorhandene Mikrofilarien untersuchen zu lassen.

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