Reisebericht 2016

19. bis 22. August 2016

John

Zum nun vierten Mal reisten wir dieses Jahr nach Botosani.

Dieses Mal waren wir zu fünft und obwohl wir so vieles schon kannten, an vertraute Orte reisten und vertraute Menschen trafen, war auch dieses Mal wieder vieles neu, beeindruckend und manchmal einfach auch nur traurig. Wir haben viele Hunde gesehen, die wir auch 2015 schon kennengelernt haben. Die immer noch warten, voller Hoffnung, und denen wir wieder versprochen haben, dass wir für sie ein Zuhause, eine eigene Familie finden. Wie John (hier gelangen Sie zu Johns Vermittlungsseite), der natürlich gewachsen ist, aber immer noch so freundlich, so lieb wartet und bald einen weiteren rumänischen Winter im Tierheim erleben wird.

 

Aber erzählen wir von Anfang an:

Audrey
Igor

Am ersten Abend haben wir Dana, die erste Vorsitzende von Ador und ihr Team getroffen und den "Arbeitsplan" für die nächsten Tage festgelegt, begleitet von vielen Geschichten, Informationen und Begebenheiten, die den Alltag unserer rumänischen Tierschutzkollegen prägen. Am nächsten Tag besuchten drei von uns für einige Stunden das Public Shelter (PS). Sie wurden von Raluca, einer Tierschützerin, die sich ein bis zwei Mal in der Woche um die Hunde im PS kümmert, sie fotografiert und Alben erstellt, herumgeführt. Raluca hat sich viel Mühe gemacht und uns vor allem jene Hunde gezeigt, die im PS unterzugehen drohen, dabei ihre Freundlichkeit und Menschenbezogenheit aber nicht verloren haben wie Audrey (hier gelangen Sie zu Audreys und Igors Vermittlungsseite) oder Igor, um nur zwei stellvertretend für so viele zu nennen.

Zum Zeitpunkt unseres Aufenthalts in Botosani lebten an die 680 Hunde im PS, doch fast täglich kommen neue Hunde dazu, sodass inzwischen (Mitte Oktober) bereits wieder knapp 800 Hunde dort eingesperrt sind. Das wunderte uns etwas, da auf Botosanis Straßen kaum noch Straßenhunde zu sehen sind. Der Tierarzt Daniel Bejinariu, den wir an einem Abend trafen, berichtete uns, dass nach wie vor an ganz bestimmten Plätzen in Botosani Straßenhunde zu finden sind. Er nannte als Beispiel einen Platz, an dem sonntags ein privater Automarkt stattfindet. Hier stellen Privatleute aus dem Umland ihre gebrauchten PKWs zum Verkauf aus und lassen wohl gleich auch ihre Haus- und Hofhunde, die sie loswerden möchten, dort. Im Straßenbild von Botosani hingegen sind weniger Straßenhunde zu sehen als noch 2015.

Zur Situation des PS ist zu sagen, dass im Oktober der Vertrag zwischen der Stadt Botosani und der bisherigen Betreibergesellschaft des öffentlichen Tierheims, Trioconstruct, ausläuft. Trioconstruct ist u.a. auch für die veterinärmedizinische Versorgung der Hunde im PS zuständig, in der Vergangenheit kam es aber immer wieder aus unserer Sicht zu groben Unterlassungen und Verstößen. Daniel und sein Team (wie wahrscheinlich noch andere) möchten sich nun im Oktober um die dann wieder vakante Betreiberstelle bewerben und anstelle von Trioconstruct die veterinärmedizinische Versorgung der Hunde im PS übernehmen. Ob dies gelingt, bleibt anzuwarten, da bei der Vergabe der tierärztlichen PS-Betreuung sicher nicht nur fachliche Qualifikationen eine Rolle spielen werden.

Nach den Bürgermeisterwahlen im Sommer ist nun in Botosani zudem wieder jener Mann in das Amt des Bürgermeisers gewählt worden, der schon 2011 für das Massaker an knapp 250 Hunden im PS Botosani verantwortlich war.

Gina
Mia mit Gina

Dem Besuch des öffentlichen Tierheims schloß sich der bei Mia, einer Pflegestelle von Ador an, bei der wir u.a. auch die sanfte Hündin Gina (hier gelangen Sie zu Ginas Vermittlungsseite) kennengelernt haben.

  

Ador versorgt im Moment im Tierheim und auf zwei Pflegestellen an die 125 Welpen. Plus natürlich unzählige Junghunde und erwachsene Hunde. Wir haben nicht gezählt, aber 260 Hunde dürften es gut sein.

Hinzu kommen noch die vielen Hunde von Florea, einer älteren Dame, die am Rande Botosanis lebt und immer wieder Hunde vor den Hundefängern in Sicherheit bringt.

Allein Florea, die wir natürlich auch besucht haben, hat dieses Jahr 14 Welpen bei sich aufgenommen.

Trotz der Kastrationen, deren Kosten verschiedene kleine Orgas wie auch wir immer wieder übernehmen, trotz des Wegfangens von Straßenhunden steigt die Welpenzahl beharrlich an.

Für Floreas Hunde haben wir schon im Vorfeld 14 sehr stabile Hundehütten bauen lassen, die während unseres Aufenthalts dann zu Florea gebracht wurden.
Dies können Sie hier nachlesen.

Danach haben wir uns schwerpunktmäßig um die Hunde im Tierheim unseres Partnervereins Ador gekümmert. Das Tierheim ist ein Jahr nach seiner weitgehenden Fertigstellung voll, um nicht zu sagen vollkommen überfüllt.

Motte

Im Tierheim von Ador hat sich seit unserem letzten Besuch 2015 viel getan. Wir haben im Frühjahr die Anschaffung einer Heizungsanlage finanziert, was für zumindest einige Hunde im Tierheim nun im kommenden Winter warme Pfoten bedeutet. Die Krankenstation ist noch nicht fertig, es stehen aber schon die Träger für die Leichtbauwände und auch der Estrich ist schon gelegt. Ador hofft, bis Anfang nächsten Jahres die Krankenstation einweihen zu können.

Auch dieses Mal haben wir leider wieder einige Notfälle gesehen; ein kleines zerrupftes und abgemagertes Welpenkind mit einem Loch im Kopf lief gerade zum richtigen Zeitpunkt im Industriegebiet von Botosani auf der Straße und damit uns vor die Füße. Wir haben sie Motte (hier gelangen Sie zu Mottes Vermittlungsseite) genannt.

Wieder konnten wir für gut drei Tage am Alltag der Tierschützer vor Ort und vor allem an Danas täglichen Herausforderungen teilhaben. Dana wirkte dieses Mal auf uns noch ein bisschen erschöpfter als sonst, was angesichts der Menge an Hunden, die sie zu versorgen hat, auch kein Wunder ist. Und es kommen fast täglich neue Hunde dazu.

Am zweiten Tag unseres Aufenthaltes rief bereits um 6 Uhr in der Früh eine Frau aus Botosani bei Dana an, die eine alte kranke Hündin gefunden hatte. Wir fuhren dann zur genannten Stelle und sahen eine kleine, etwa 13jährige Hündin mit mehreren Mammatumoren, die so groß waren, dass sie auf dem Boden schleiften und stellenweise schon aufgeplatzt waren. Die Krallen der Hündin waren so nach innen gewachsen und gerollt, dass sie vermutlich sehr sehr lange schon keinen normalen Straßenboden mehr unter ihren Pfoten gespürt hat. Die Hündin lag bereits zwei Tage in der prallen Sonne, die Dame, die letztlich Dana anrief, hatte ihr aber einen Karton zum Schutz und etwas Wasser hingestellt. Auch das gibt es in Rumänien, tierliebe Menschen.

Wir brachten die arme Maus zum Tierarzt, der sofort meinte, dass die Hündin in den letzten Jahren sicher im Haus lebte, nun aber aufgrund der Tumore ausgesetzt worden sei.
Er operierte die Hündin am nächsten Tag.

 
Während unseres Aufenthalts hielten wir oft mit Dana an abgelegenen Grundstücken, auf denen eine Hündin oder ein Rüde verlassen und mutterseelenalleine angekettet ein erbärmliches Dasein fristen müssen. Ihre Besitzer kommen so selten und unregelmäßig, dass Dana sich um die Hunde kümmert, ihnen Wasser und Futter bringt.

 
Einen weiteren Notfall sahen wir auf einer Pflegestelle von Dana. Dieser arme Tropf, der durch einen Unfall schwerbehindert, dabei aber noch jung, sehr sehr lieb, sehr verträglich und voller Lebensfreude ist, hat uns alle sehr berührt. Aufgrund eines Bruchs beider Hinterbeine sind diese nun spastisch gelähmt, er kann nur über den Boden robben, lebt auf einer Pflegestelle im Freien und wurde bereits geröntgt mit dem Ergebnis, dass man ihm nicht helfen kann.

 

Flash ist Pflicht!

 
Wie immer sind wir alle mit vielen Eindrücken nach Deutschland zurückgekehrt.

Wieder waren wir beeindruckt von den vielen großen und kleinen Fellnasen, die so sehr um ein bisschen Zuwendung gebeten haben, so verzweifelt ihre Schnauzen durch die Maschen ihres Zwingerzauns steckten, so voller Sehnsucht waren und uns immer wieder gezeigt haben, wie sehr sie die Nähe zu Menschen vermissen.

Wir hoffen, dass einige Hunde, die wir nun kennengelernt haben, in den nächsten Monaten in ein besseres Leben starten können. Aber wir wissen auch, dass viele zurückbleiben werden im kalten rumänischen Winter.
Andrea Brückner-Schoeler

(mit von der Partie waren: Regina Frie, Anni Neuberger, Gabi Eberhardt, Britta Gebauer und Andrea Brückner-Schoeler)

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